Quedlinburg ist nicht irgendeine Stadt. Quedlinburg ist UNESCO-Welterbe – ein einzigartiges Zeugnis deutscher und europäischer Geschichte, geprägt von Fachwerk, Stiftskirche, Schlossberg, Münzenberg und einer historischen Stadtsilhouette, die bis heute ihresgleichen sucht.
Genau dieses Erbe gerät durch das sogenannte „Zukunftsprojekt Morgenrot“ unter Druck. Geplant sind ein Industriepark, Photovoltaikflächen und zehn Windenergieanlagen im landschaftlichen Umfeld der Welterbestadt.
Die Stellungnahme von ICOMOS Deutschland, dem Internationalen Rat für Denkmalpflege, ist eindeutig: Auch wenn das Plangebiet außerhalb der eigentlichen Pufferzone liegt, befindet es sich im wertvollen Umfeld der Welterbestätte. Gerade diese gewachsene Kulturlandschaft ist Teil des außergewöhnlichen Wertes Quedlinburgs.
Die Folgen wären gravierend: Die Windenergieanlagen würden die historische Stadtsilhouette sichtbar beeinträchtigen und als neue Höhendominanten in Konkurrenz zu Stiftskirche, Münzenberg und den alten Kirchen treten. Statt einer mittelalterlich geprägten Kulturlandschaft droht eine technisch überformte Energie- und Industrielandschaft.
Besonders von Münzenberg, Schlossterrasse und Altenburgwarte aus würden Windräder und Gebäudegruppen dominant ins Blickfeld rücken. ICOMOS sieht weiterhin hohe negative Auswirkungen auf den außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte. Auch die geplanten Gebäudevolumina des Industrieparks könnten das Stadtbild massiv beeinträchtigen und wie eine Barriere in der Landschaft wirken.
Zwar erkennt ICOMOS an, dass die Planung bereits verändert wurde – unter anderem durch die Reduzierung von 14 auf 10 Windenergieanlagen. Doch selbst diese abgespeckte Variante bleibt problematisch.
Quedlinburg lebt nicht nur von einzelnen Gebäuden. Quedlinburg lebt von seinem Gesamtbild, von seinen Sichtbeziehungen, seiner Einbettung in die Landschaft und seiner geschichtlichen Ausstrahlung. Wer dieses Umfeld mit Industrieanlagen und Windrädern überzieht, greift in den Kern dessen ein, was diese Stadt weltweit einzigartig macht.
ICOMOS empfiehlt eine Überarbeitung der Planung, die Einbindung aller Beteiligten und eine Meldung an das UNESCO-Welterbekomitee. Genau das muss jetzt geschehen.
Quedlinburgs Welterbe darf nicht zum Kollateralschaden einer ideologisch getriebenen Energiepolitik werden.
